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Zyklusbewusstsein

Warum du jede Woche eine andere Frau bist. Und was das wirklich bedeutet.

Es gibt Wochen, da willst du alles. Raus, Menschen, Energie, Bewegung. Du fühlst dich leicht, offen, bereit.

Und dann, ein paar Wochen später, willst du deinen Tee, deine Stille und niemanden um dich herum. Du weißt selbst nicht, warum sich alles so fundamental anders anfühlt.

Viele Frauen fragen sich in solchen Momenten, ob etwas mit ihnen nicht stimmt. Ob sie zu wankelmütig sind. Zu unbeständig. Zu viel.

Die Antwort liegt nicht in deinem Charakter. Sie liegt in deinem Körper.

Du bist kein lineares Wesen

Das menschliche Kollektiv funktioniert nach einem linearen Prinzip: jeden Tag gleich leistungsfähig, immer verfügbar, immer lieferbereit. Dieses Prinzip passt für Frauen schlicht nicht.

Du lebst in einem Rhythmus, der sich alle vier Wochen vollständig erneuert. In einem einzigen Monat trägst du das, was die Natur in einem ganzen Jahr entfaltet. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. In jeder dieser Phasen bist du eine andere Frau. Mit anderen Stärken, anderen Bedürfnissen, einer anderen Art, die Welt wahrzunehmen.

Das zu wissen, verändert alles. Wie du mit dir umgehst. Wie du arbeitest. Wie du entscheidest.

Phase 1: Dein innerer Frühling – Weiblicher Archetyp: Die Jungfrau

Die erste Woche nach deiner Blutung. Etwas in dir ist leichter geworden. Du hast losgelassen, was der letzte Monat mitgebracht hat.

In dieser Phase, dem inneren Frühling, der dem Archetyp der Jungfrau entspricht, willst du nach draußen. Neues ausprobieren, dich zeigen, leicht sein. Deine Energie geht nach außen, wie eine Pflanze, die zum ersten Mal ihre Blätter entfaltet. Neue Projekte, spontane Entscheidungen, Begegnungen, die Freude machen.

Was dir schadet: Dich in dieser Leichtigkeit zu schwere Entscheidungen zu zwingen. Der Frühling ist offen. Das ist eine Stärke, kein Fehler.

Phase 2: Dein innerer Sommer – Weiblicher Archetyp: Die Mutter

Rund um den Eisprung dreht sich deine Energie. Der innere Sommer entspricht dem Archetyp der Mutter. Du wirst empfänglich. Deine Aufmerksamkeit richtet sich nach innen und nach anderen. Du willst verbinden, nähren, da sein.

Das ist nicht nur eine Energie für Frauen mit Kindern. Sie lebt in jeder Frau. Es ist die Energie der Verbinderin, der Gastgeberin, der Frau, die Räume schafft, in denen andere aufatmen.

In dieser Phase nimmst du auch innerlich besonders tief auf, was du dir wünschst. Was du in deinen Herzensraum lässt, was du dir wünschst und sehnst, das setzt sich fest. Die Sommerphase ist großzügig. Sie braucht aber auch einen Boden, der gefüllt ist.

Phase 3: Dein innerer Herbst – Weiblicher Archetyp: Die Zauberin

Dein innerer Herbst entspricht dem Archetyp der Zauberin. Das ist die Phase, über die am wenigsten gesprochen wird. Und gleichzeitig die stärkste.

Nach dem Eisprung tritt eine andere Energie hervor. Ruhiger. Direkter. Du weißt, was du willst. Du hast keine Energie mehr für Smalltalk, dafür umso mehr für das, was wirklich zählt. Du siehst Dinge, die du im Sommer noch nicht gesehen hast. Du spürst, was stimmt und was nicht.

Diese Phase trägt auch deine stärkste Ausstrahlung in sich. Keine offene, einladende Energie wie im Frühling. Eine ruhige, tiefe Magnetkraft. Das gewisse Etwas, das sich nicht erklären lässt.

Und trotzdem ist sie die am meisten unterdrückte Phase. Weil diese Klarheit, diese Direktheit gesellschaftlich lange nicht willkommen war. Viele Frauen haben gelernt, diese Energie wegzulächeln. Sie wegzuschieben, bevor sie unbequem wird.

Was dir jetzt gut tut: Mutige Entscheidungen. Wichtige Gespräche. Projekte fertigstellen. Nein sagen, wenn es stimmig ist.

Phase 4: Dein innerer Winter – Weiblicher Archetyp: Die Weise

Jetzt wird es still. Du ziehst dich zurück. Du willst innen sein.

Dein innerer Winter entspricht dem Archetyp der Weisen. Die Tage vor deiner Blutung werden so oft als PMS abgetan. In Wirklichkeit ist das eine der tiefsten Phasen des Zyklus. Die Weise in dir sieht, was nicht stimmt. Sie hat keine Energie mehr für Masken. Was in den anderen Wochen unter der Oberfläche lag, kommt jetzt hoch.

Das ist kein Defekt. Das ist Weisheit. Dein Körper räumt auf.

Wenn du diese Phase wirklich gehst, wenn du dir Rückzug gibst, die Schwere zulässt, die Gefühle nicht wegmachst, dann kannst du mit ihr loslassen. Was du nicht mehr brauchst. Was du innerlich schon verabschiedet hast. Es geht in dieser Phase.

Und danach kommst du als Frühling neu heraus.

Was passiert, wenn du eine Phase unterdrückst

Du läufst einbeinig.

Wer immer nur die Sommerphase lebt, immer für andere, immer fürsorgend, und nie die Herbstphase, verliert irgendwann den eigenen Kern. Wer den Winter ignoriert, immer funktioniert, nie inne hält, nimmt die Last des alten Monats mit in den neuen.

Jede Phase trägt eine Qualität, die du brauchst. Die Leichtigkeit des Frühlings ist nicht schöner als die Tiefe des Winters. Der Sommer ist nicht wertvoller als der Herbst. Sie brauchen einander. Du brauchst alle vier.

Der Unterschied, den dieses Wissen macht

Wenn du das nächste Mal spürst, dass du dich anders fühlst als letzte Woche, stell dir eine andere Frage. In welcher Phase bin ich gerade? Was brauche ich jetzt wirklich?

Das ist keine Methode. Das ist eine andere Art, mit dir selbst in Kontakt zu sein.

Schön, dass du hier bist.

HigherLOVE
Deine Veronika